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Neues Leben für Wertstoffe im Krankenhaus

25. August 2022

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min. Lesezeit

Wenn man an Krankenhäuser denkt, dann geht einem das Thema Abfall nicht unbedingt als Erstes durch den Kopf. Da Krankenhäuser mit circa 1,2 Millionen Tonnen Abfall jährlich zu den fünftgrößten Abfallproduzenten Deutschlands gehören, sollte das Thema in unseren Nachhaltigkeitsdiskursen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

In Krankenhäusern werden täglich mehrere tausende verschiedene Produkte verwendet, die zum überwiegenden Teil nach einmaligem Gebrauch in der Mülltonne landen. Die Abfallvermeidung in Krankenhäusern ist auf Grund von strengen Hygienemaßnahmen keine leichte Aufgabe, denn die Sicherheit aller Mitarbeiter und Patienten steht an erster Stelle und die Angst vor Infektionen und Verbreitung von Keimen ist groß.

Eine der größten Herausforderungen ist die fehlende einheitliche Strategie, um den Gesundheitsbereich für Vermeidung, Recycling und Entsorgung von Abfällen nachhaltig zu revolutionieren. Oftmals stehen Hygienemaßnahmen im Gegensatz zu einem nachhaltigen Ressourcenmanagement und nachhaltige Praktiken im Gegensatz zur Wirtschaftlichkeit. Zudem ist das Personal in vielen gesundheitlichen Einrichtungen unterbesetzt und es fehlen Ressourcen, um den täglichen Aufgaben gerecht zu werden. Im Hinblick auf den Bereich Abfallmanagement mangelt es oftmals an Zeit und internen Kapazitäten, um Mitarbeiter für das Thema Abfalltrennung zu sensibilisieren und zu schulen.

Um diese Herausforderung anzugehen ist es unabdingbar, dass beispielsweise eine einheitliche Strategie für die Abfalltrennung erarbeitet wird, um dadurch langfristig eine höhere Sortiertiefe von Wertstoffen und eine Reduktion von Abfällen zu erreichen. Dies bedeutet, ein konkretes Trennkonzept zu etablieren, in alltäglichen Prozessen zu operationalisieren sowie in einem holistischen Abfallwirtschaftskonzept festzuhalten.

In diesem Blog erfahren Sie mehr darüber,

  • wie sie Abfälle in Krankenhäusern reduzieren können,
  • wo man am Besten anfängt
  • und welche Maßnahmen zur Zielerreichung umgesetzt werden können.
Konkrete Handlungsempfehlungen sollen Hilfestellung für die Umsetzung geben, um das Thema in Ihrer Einrichtung voranzutreiben und fest zu verankern.

Besser entsorgen, aber wie?

Im Krankenhaus fallen hohe Mengen an Abfall an, die zum großen Teil kontaminiert oder infektiös sind. Abfallrechtliche Vorgaben schreiben eine Verbrennung für diese Art von Abfällen vor, welche auf Grund der spezifischen Entsorgungsmaßnahmen hohe Kosten verursachen. Zudem sind in den letzten Jahren generell die Entsorgungskosten kontinuierlich gestiegen und werden auch weiterhin eine steigende Entwicklung aufweisen. Neben den vielen Kosten der Abfälle fallen aber auch hohe Mengen an Wertstoffen an, die jedoch zum Teil im Restabfall landen und somit meist energetisch verwertet (verbrannt) werden. Ergebnisse aus Bestandsaufnahmen durch Resourcify in Gesundheitseinrichtungen haben gezeigt, dass circa 40 % Wertstoffe im Restabfall vorhanden sind, die bei sauberer Trennung in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Die Erfahrung zeigt also, dass großes Potential für eine bessere Trennung vorliegt, um Abfälle zu reduzieren und Wertstoffe wiederzuverwerten. Aber wo fängt man an und wie?

1. Abfallvermeidung und -reduktion angehen

An erster Stelle stehen die Vermeidung und Reduktion in der Abfallhierarchie, welche über unterschiedliche Maßnahmen gesteuert werden können. Eine wichtige Grundlage hierfür stellt die nachhaltige Beschaffung von recyclingfähigen Materialien dar. Hierfür ist eine enge Abstimmung mit dem Einkauf empfehlenswert, um gemeinsam zu evaluieren, ob Produkte so konzipiert sind, dass sie bspw. einen geringeren Verpackungsanteil aufweisen, zur Wiederverwendung aufbereitet werden können oder stofflich verwertet werden können. Des Weiteren ist es empfehlenswert Hersteller zu finden, die eigene Rücknahmesysteme ihrer Produkte anbieten, um dadurch Kreisläufe zu schließen.

Eine weitere einfach umsetzbare Maßnahme in Zusammenarbeit mit dem Einkauf ist die Beschaffung von Großgebinden statt Klein- und Kleinstgebinden, um Verpackungsabfälle zu reduzieren. Eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit vom Einkauf bis zur Entsorgung sollte zudem aus Partnerschaften mit Herstellern, Händlern, Transporteuren, Entsorgern und Verwertern bestehen, um so gemeinsam vernetzt zu denken und zu handeln. Neue und innovative Konzepte können entwickelt und umgesetzt werden, um Umweltbelastungen zu verringern sowie Gesundheitsrisiken entgegenzutreten.

2. Abfalltrennung und -verwertung verbessern

Um die Trennung wertvoller Materialien zu gewährleisten, ist eine strukturierte, einfache und effektive Abfalltrennung, die ein Trenn-, Erfassung- und Farbleitsysteme umfasst, notwendig. Es ist empfehlenswert Wertstoffe an der Anfallstelle in verschiedenen Arten von Sammelbehältern getrennt zu halten (z.B. kleinere Behälter für Wertstoffe, um Auffälligkeiten zu erkennen und medizinische Behandlungsabfälle in geeigneten Säcken) und diese Sammelstellen mit unterschiedlichen Farben, Etiketten oder Symbole zu kennzeichnen. Durch die Implementierung eines einheitlichen Trennkonzepts in den Einrichtungen werden Fehlwürfe minimiert, eine bessere Sortiertiefe erreicht und zugleich die Recyclingquote erhöht.

Grundsätzlich gilt, dass wiederverwertbare Abfälle getrennt gesammelt werden sollten, sofern dies die Infrastruktur sowie die wirtschaftliche Tragbarkeit zulässt. Einfache und übersichtliche Sortieranleitungen an den Anfallstellen zu den zu trennenden Fraktionen unterstützen die Mitarbeiter bei der Entscheidungsfindung im Moment der Trennung. Hierbei ist es wichtig mit konkreten Beispielen der häufig anfallenden Fraktionen zu arbeiten und typische Fehlwürfe als Negativ-Beispiel aufzuführen.

 


Eine beispielhafte Sortieranleitung für Krankenhäuser finden Sie hier zum Herunterladen.


3. Neue Entsorgungswege finden

Bevor neue Stoffströme separiert werden, sollte im Vorgang geprüft werden, ob es regionale Verwerter gibt, die diese stofflich verwerten können. Hierbei sind die Mengen der verschiedenen anfallenden Wertstoffe ausschlaggebend, denn meistens sind diese noch zu gering, um wirtschaftliche Modelle eines Recyclings nachzugehen, oder der logistische Aufwand ist größer als der Erlös. Um diese Mengen zu ermitteln, ist es empfehlenswert, eine Input-Output-Analyse vorzunehmen und zu evaluieren, welche Produkte auf täglicher Basis auf den einzelnen Stationen genutzt werden und wie die Abfälle dieser medizinischen Produkte an den Anfallstellen entsorgt werden. Wenn Informationen zu allen anfallenden Mengen in den verschiedenen Einrichtungen vorliegen, gilt es diese virtuell zu bündeln und in Gespräche mit Verwertern zu gehen, um zu besprechen, wie eine eine bestmögliche Zusammenarbeit aussieht.

4. Mehrwegoptionen evaluieren

In den letzten Jahren hat die Entwicklung im Gesundheitswesen gezeigt, dass Ressourcenschonung und Abfallvermeidung in den Hintergrund geraten, was sich beispielsweise durch die Verlagerung von Mehrweg- zu Einweg-Produkten zeigt. Systeme zur Wiederaufbereitung sollten geschaffen werden, um bedeutsame ökologische und ökonomische Einsparpotenziale aufzudecken und wahrzunehmen. Sofern dies mit hygienischen Anforderungen vereinbar ist, sollten medizinische Einrichtungen bevorzugt Mehrwegsysteme einsetzen, um ihre Abfallmengen zu reduzieren und den Lebenszyklus von Produkten durch die Wiederverwendung zu verlängern. Beispiele hierfür sind unter anderem der Ersatz von Einweg-OP-Mäntel durch Mehrweg-OP-Mäntel aus Baumwolle, die nach jeder Anwendung durch den Vorgang einer Sterilisierung wiederverwendet werden können. Ausgemusterte Medizintechnik könnten desinfiziert, gesammelt und gegebenenfalls vom Hersteller aufgearbeitet den Weg der Wiederverwendung gehen.

5. Mitarbeiter sensibilisieren

Die Einführung von neuen Praktiken im Bereich Abfallmanagement erfordert die Einbindung aller Mitarbeiter, denn Veränderungen setzen die Akzeptanz aller Mitarbeiter voraus. Daher ist ein offener Kontakt zu den Mitarbeitern von großer Relevanz. Egal welche Maßnahmen etabliert und umgesetzt werden sollen, es gilt die Mitarbeiter zu Beginn jedes Vorhabens abzuholen, informieren und mit ihnen in einen Dialog zu treten. Sie können durch Evaluationen, ein internes Vorschlagswesen sowie Wettbewerbe motiviert werden. Durch Mitarbeiterschulungen können fachliche Qualifikationen erhöht, die Motivation gesteigert und das typische “Kastendenken” abgebaut werden. In diesem Rahmen sollten die Krankenhäuser Materialien entwickeln, welche die Zuweisungen in verständlicher Sprache wiedergeben und den unterschiedlichen Arbeitsgruppen zur Verfügung stellen. Die Mitarbeiterschulung ist die wichtigste Maßnahme mit der größten Hebelwirkung für ein ressourcenschonendes Abfallmanagement, denn es sind die Mitarbeiter vor Ort, die in wenigen Sekunden entscheiden, ob Restmaterialien Abfall oder ein Wertstoff sind.

So können Krankenhäuser das Abfallmanagement optimieren

Um Abfälle in den Einrichtungen zu reduzieren und Wertstoffe zu separieren, gibt es konkrete Maßnahmen, die jedes Krankenhaus für sich prüfen und entsprechend umsetzen kann:

  1. Abfallvermeidung und -reduktion angehen
  2. Abfalltrennung und -verwertung verbessern
  3. Neue Entsorgungswege finden
  4. Mehrwegoptionen evaluieren
  5. Mitarbeiter sensibilisieren

Von Beginn an sollte jedoch erst eine Transparenz über die Infrastruktur jeder Einrichtung geschaffen werden, um verwendete Produkte und Materialien, Prozesse und das gesamte interne Abfallmanagement auf den Status Quo zu analysieren. Auf Grundlage der Erkenntnisse und Datenbasis können dann die vorgestellten Maßnahmen umgesetzt werden und weitere Maßnahmen zusammen mit den Mitarbeitern konzipiert werden.

Mehr Wertstoffe, weniger Müll im Krankenhaus
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