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Die CSR-Richtlinie 2.0: Schrittweise zu mehr Nachhaltigkeit

12. Mai 2022

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min. Lesezeit

Keine Frage, Nachhaltigkeit ist eines der Schlüsselthemen der nächsten Jahrzehnte für Unternehmen und für die Wirtschaft insgesamt.

Neben dem offensichtlichen Handlungsbedarf aus ökologischer Perspektive ist dies auch zunehmend eine Frage des langfristigen Gewinnpotenzials. Eine McKinsey-Umfrage stellte 2021 beispielsweise für den DACH-Raum fest, dass mehr als drei Viertel der Konsumenten (78 %) bei der Kaufentscheidung auf Nachhaltigkeit als Kriterium achten. 

Um die Nachhaltigkeit voranzutreiben, priorisiert die Gesetzgebung auf europäischer wie auf nationaler Ebene mittels der CSR-Richtlinie die entsprechende Berichterstattung. Sie soll es leichter machen, Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu steuern, nachzuverfolgen und zu beurteilen. 

Richtlinien und Gesetze sind aber komplex und ständiger Weiterentwicklung unterworfen. In diesem Artikel geht es deshalb darum

  • Welche gesetzlichen Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung aktuell gelten,
  • Was sich im April 2021 grundlegend für Unternehmen verändert hat,
  • Mit welchen weiteren Veränderungen noch zu rechnen ist und 
  • Wie Unternehmen die Herausforderung der Nachhaltigkeitsberichterstattung erfolgreich meistern können.

Denn: Ein proaktive Herangehensweise ist gefragt. Beim Thema Nachhaltigkeit die Ärmel hochzukrempeln, macht Veränderungen erst möglich, und signalisiert Stakeholdern die Bereitschaft zur Übernahme von ökonomischer, ökologischer und sozialer Verantwortung.

 

Was genau ist die CSR-Richtlinie, und warum ist sie so wichtig? 

Berichterstattung zum Thema Nachhaltigkeit ist Großunternehmen spätestens seit 2017 ein Begriff. Damals wurde die EU-Richtlinie „Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)” als „CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG)” im deutschen Recht und als „Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG)” im österreichischen verankert. Ursprünglich als „Non-Financial Reporting Directive (NFRD)” eingeführt, betont der neue Name der Richtlinie mit dem Begriff „Corporate Sustainability” den Fokus auf Nachhaltigkeit als Wirtschaftsziel.

Die CSR-Richtlinie legt den Umfang und Inhalt der Berichterstattungspflichten von Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit fest. Ursprünglich galten diese für kapitalmarktorientierte Gesellschaften sowie Finanzdienstleister und Versicherungen, die mehr als 500 Beschäftigte sowie mehr als 40 Mio. Umsatz oder eine Bilanzsumme von mehr als 20 Mio. EUR aufweisen. 2018 identifizierte eine Studie in Deutschland 487 Unternehmen, die nach diesen Regelungen unter dem CSR-RUG berichtspflichtig sind - eine Zahl, die sich mit der nächsten Iteration der CSR-Richtlinie stark erhöhen dürfte. 

 

CSR-Richtlinie weiterentwickelt: 2017 und 2021 im Vergleich 

Basierend auf Rückmeldungen aus der Praxis entwarf die EU im April 2021 dann eine Weiterentwicklung der CSR-Richtlinie. Die Änderungen laufen dabei vor allem auf eines hinaus: Nachhaltigkeit nimmt eine immer wichtigere Rolle ein, die letztendlich der finanziellen Berichterstattung ebenbürtig sein soll.

Dies ist unter anderem an der Form der Berichterstattung zu erkennen. Bisher konnte neben dem Lagebericht alternativ auch im Bundesanzeiger oder auf der Firmenwebseite Rechenschaft über Nachhaltigkeit abgelegt werden. Unter der weiterentwickelten Richtlinie ist dagegen die Veröffentlichung als Teil des Lageberichts verpflichtend. Das verkürzt unter anderem die Zeit, die nach Abschluss der Berichtsperiode zur Berichterstellung bleibt. 

Entsprechend den höheren Anforderungen verändert sich auch die Prüfung des Berichts. Bisher war diese freiwillig, doch mit Umsetzung der weiterentwickelten CSR-Richtlinie wird sie verpflichtend sein. Zunächst gelten dabei die milderen Kriterien der eingeschränkten Prüfungssicherheit. Ab 2026 greifen allerdings die höheren Anforderungen der hinreichenden Prüfungssicherheit, die auch für finanzielles Reporting angewendet werden. 

Ein weiterer markanter Unterschied ist die Ausweitung des Anwendungsbereichs der Berichterstattungspflicht. Mit der CSR-Richtlinie sind nun alle Unternehmen angesprochen, die mindestens zwei dieser drei Merkmale erfüllen: 

  • Das Unternehmen hat eine Bilanzsumme von 20 Mio. EUR oder mehr;
  • Das Unternehmen hat Nettoumsatzerlöse von 40 Mio. EUR oder mehr; 
  • Das Unternehmen hat 250 Beschäftigte oder mehr.

In der Pflicht stehen außerdem alle börsengelisteten Unternehmen. Ausgenommen sind hierbei nur Kleinstunternehmen, die eine Bilanzsumme von 350.000 EUR sowie Nettoumsatzerlöse von 700.000 EUR nicht überschreiten sowie im Jahresdurchschnitt nicht mehr als 10 Beschäftigte haben - zwei dieser drei Kriterien müssen für die Definition als Kleinstunternehmen erfüllt sein. 

EY geht davon aus, dass mit dieser erweiterten Eingrenzung europaweit etwa viermal mehr Unternehmen der Berichterstattungspflicht unterliegen werden. Speziell für Deutschland prognostiziert PWC sogar, dass sich die Zahl der Unternehmen, die der CSR-Richtlinie unterliegen, verzehnfachen wird.

Kriterien Stand 2017 Stand 2021
Adressatenkreis
  • Kapitalmarktorientierte Gesellschaften
  • Finanzdienstleister und Versicherungen
  • Große Kapitalgesellschaften
  • Börsennotierte Gesellschaften (ausgenommen Kleinstunternehmen)
Berichterstattungs-pflichtig
  • Bilanzsumme ≥ 20 Mio. EUR
  • Nettoumsatzerlöse ≥ 40 Mio. EUR
  • ≥ 500 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt
  • Bilanzsumme ≥ 20 Mio. EUR
  • Nettoumsatzerlöse ≥ 40 Mio. EUR
  • ≥ 250 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt
Zeithorizont Ein Jahr Kurz-, mittel- und langfristig
Umsetzung und Auslegung Nationales Recht Europaweite Standards
Prüfung Freiwillig Verpflichtend, extern
Berichtsform Lagebericht oder Bundesanzeiger oder Firmenwebseite Lagebericht

Zudem werden strengere Anforderungen an die Inhalte von Nachhaltigkeitsberichten gestellt. Musste der Bericht bisher nur ein Jahr umfassen, werden jetzt kurz-, mittel- und langfristige Prognosen und Analysen erwartet. Europaweit genormte Standards hierfür befinden sich derzeit noch in Entwicklung, strukturieren sich aber um die drei Kernbereiche Governance, Umwelt und Gesellschaft. Fest stehen schon die sechs Umweltziele, von denen die ersten beiden schon im Berichtsjahr 2021 berücksichtigt werden mussten:

  • Klimaschutz
  • Anpassung an den Klimawandel
  • Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  • Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  • Prävention und Kontrolle der Umweltverschmutzung
  • Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen


Der Fokus wird dabei noch mehr auf quantifizierbaren Daten liegen. Im EY-Webinar “Neue Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – Nachhaltigkeitsbezogene Angabepflichten im Lagebericht 2023” betonte etwa Yvonne Meyer, Associate Partner Climate Change and Sustainability von EY Carbon: „Rein qualitative Angaben sind nicht mehr ausreichend. Wir erwarten mit der kommenden Standardisierung vor allem die ganz klare Anforderung an quantitative KPIs, die es dann zu erheben und zu berichten gibt.” Der Aufbau von Prozessen zur Sicherstellung einer verlässliche Datenlage ist deshalb unerlässlich - insbesondere weil Unternehmen nicht mehr viel Zeit bleibt, sich auf die höheren Anforderungen der überarbeiteten CSR-Richtlinie einzustellen.

 

Ab wann gelten die Änderungen und was bedeuten sie für mein Unternehmen?

2024 wird der erste Bericht unter der überarbeiteten CSR-Richtlinie fällig werden. Die Datengrundlage dafür bildet allerdings das Vorjahr. Spätestens Anfang 2023 müssen darum die entsprechenden Prozesse zur Datenerhebung stehen, damit ein ausreichendes Fundament für die Nachhaltigkeitsberichterstattung gegeben ist.

Eine Studie zur Umsetzung der ersten Iteration der CSR-Richtlinie zitiert zu dieser Problematik ein SDAX-Unternehmen folgendermaßen: „Für den ersten Bericht haben wir uns auf Themen und Daten gestützt, die bei uns erfasst sind. Denn das war das große Problem: Ganz vieles ist einfach nicht erfasst.“ Der stärkeren Fokus der überarbeiteten Richtlinie auf quantitativen Messungen verschärft diese Situation in vielen Bereichen noch.

  • Juni 2022: Die CSRD 2.0 wird finalisiert
  • November 2022: Entwurf der EU-Berichtsstandards (EFRAG) wird präsentiert
  • Januar 2023: Die erste Berichtsperiode unter der neuen CSR-Richtlinie beginnt
  • November 2023: Branchenspezifische Ergänzungen der EU-Berichtsstandards werden erwartet
  • Januar 2024: Die ersten Nachhaltigkeitsberichte unter der neuen CSR-Richtlinie müssen als Teil des Lageberichts veröffentlicht werden
  • Januar 2026: Das Anforderungsniveau der externen Prüfung wird von eingeschränkter Prüfungssicherheit auf hinreichende Prüfungssicherheit angehoben

Unterlag Ihr Unternehmen bisher bereits der Berichterstattungspflicht, gilt es deshalb jetzt, bestehende Berichterstattungsmaßnahmen kritisch zu überprüfen und auf einen höheren Informationsbedarf auszurichten. Fallen Sie erstmals unter die CSR-Richtlinie, ist die Herausforderung, frühzeitig die notwendigen internen Prozesse aufzubauen, um eine gründliche und datenbasierte Berichterstattung zu gewährleisten.

Doch auch KMUs, die bisher noch nicht zum Adressatenkreis der CSR-Richtlinie gehören, werden von Stakeholdern an höheren Standards gemessen werden. In jedem Fall wird Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit nur noch relevanter werden. Die Zeit zu handeln ist jetzt.

 

3 Schritte, die Ihr Unternehmen jetzt umsetzen sollte

 

1. Sich präventiv auf verstärkte Berichtspflichten einstellen

Mit dem Geschäftsjahr 2023 als erstem berichtspflichtigen Jahr ist es jetzt an der Zeit, Prozesse zur Datensammlung zu planen und einzurichten. Nicole Richter, Partner im Bereich Climate Change and Sustainability Services von EY, wies im oben genannten Webinar darauf hin, dass Unternehmen mit einer Einarbeitungsphase rechnen müssen: „Meine Empfehlung ist, frühzeitig zu beginnen - am besten vorgestern. Das Thema ist wirklich sehr komplex.”

2. Eine solide Datenlage schaffen

Yvonne Meyer bestätigt außerdem, wie wichtig die Datenqualität sein wird. “Das große Thema wird in vielen Unternehmen wahrscheinlich die Frage der Prüfbarkeit sein. Die Schwierigkeit wird dann sein, den Datenweg zurückzugehen, weil gerade Unternehmen, die ihre Berichtserstattungsysteme erst aufbauen, hier vermutlich noch nicht robust genug sind.” Um Systeme zu gestalten, die eine solche Nachverfolgung ermöglichen, kann externe Unterstützung extrem hilfreich sein.

3. Unterstützung an Bord holen

Partner wie Resourcify sind darauf spezialisiert, Nachhaltigkeit mess- und steuerbar zu machen. Mit der benutzerfreundlichen Resourcify-Software und -Plattform lassen sich Abfall- und Recyclingströme lückenlos nachverfolgen, managen und optimieren. Die Zusammenarbeit mit externen Unternehmen, um den gesamten Nachhaltigkeitsbereich in der Berichterstattung abzudecken, bietet langfristig Vorteile: Mittels automatisch generierter Daten und mühelos nachvollziehbarer KPIs lassen sich vielfältige Umweltziele setzen, erreichen und dokumentieren.

 

Die CSR-Richtlinie und die Zukunft

Der aktuelle Entwurf von April 2021 ist mit Sicherheit nicht die letzte Weiterentwicklung des gesetzlichen Rahmens zur Förderung von Nachhaltigkeit. Das Thema Berichterstattung ist darum nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem auch eine Chance. Mehr Transparenz bedeutet auch mehr Möglichkeiten. Bei einer Befragung von Unternehmen zur ersten Generation der CSR-Richtlinie gab schließlich drei Viertel der Unternehmensbefragten an, dass sich die neue Gesetzeslage positiv auf das Nachhaltigkeitsverständnis ausgewirkt habe.

Ob Zero Waste oder ein anderes Nachhaltigkeitsziel - die gleichen Instrumente und Daten, die eine verlässliche Berichterstattung ermöglichen, schaffen auch den Raum zur Erreichung strategischer Unternehmensziele.

Resourcify Sustainability Index Report 2022
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