Rezyklate
Kreislaufwirtschaft: den wirtschaftlichen Nutzen berechnen
Bewerten Sie Wiederverwendung, Reparatur und Recycling anhand von Materialerlösen, Logistik, Qualität und Investitionen statt pauschaler Einsparversprechen.

Wiederverwendung, Reparatur und Materialrückgewinnung können wirtschaftlichen Nutzen schaffen. Entscheidend ist die Rechnung für Ihr konkretes Unternehmen: Welche Erlöse oder vermiedenen Kosten stehen Sammlung, Logistik, Aufbereitung und Investitionen gegenüber? Dieser Artikel hilft, Potenziale einzuordnen und Annahmen überprüfbar zu machen.
- Die Herausforderungen, die durch eine Kreislaufwirtschaft erleichtert und/oder beseitigt werden könnten
- Die merklichen finanziellen Vorteile für die gesamte Wirtschaft
- Die Weiterentwicklung des Arbeitsmarkts
Zusammen betrachtet zeigen diese Punkte, dass sich die Kreislaufwirtschaft auf allen Ebenen der Gesellschaft auszahlt – von der allgemeinen Wirtschaft über Unternehmen bis hin zum Arbeitsmarkt und zu den Ressourcen.
Weitere Informationen zum Thema, einschließlich praktischer Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen, finden Sie im Leitfaden Die Kreislaufwirtschaft: Vorteile für Unternehmen und praktische Anwendungen
Der Wirtschaft einen (besseren) Weg ebnen
Die Kreislaufwirtschaft bietet viele Vorteile und könnte an verschiedenen Stellen den Druck mindern, der durch eine lineare Wirtschaft entstanden ist. Laut der Stiftung Naturklima beruht die zunehmende Unterstützung für das Kreislaufsystem unter anderem auf diesen Nachteilen der linearen Wirtschaft:
- Wirtschaftliche Verluste bei Unternehmen aufgrund schwankender Ressourcenpreise
- Verstärkte Regulierung durch die Europäische Union, die Länder und lokale Behörden als direkte Folge von Verschwendung durch die lineare Wirtschaft
- Die Kosten von Abfallmanagement und -behandlung
Weitere Informationen zum Rechtsrahmen und zu den Regelungen der EU finden Sie in unserem CSRD-Spickzettel zum Herunterladen. Lesen Sie für einen ersten Überblick unseren Blog Post Hin zur Kreislaufwirtschaft: Wie der Einzelhandel kreislauffähig wird.
Die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft birgt nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur das Potenzial, die „starke und zunehmende Importabhängigkeit“ Europas in Bezug auf Ressourcen zu minimieren – und könnte damit eine mögliche künftige Schwachstelle für die europäischen Länder ausräumen. Hinzu kommt, dass der verschärfte globale Wettbewerb um „natürliche Ressourcen zu einem merklichen Anstieg der Preisniveaus und erhöhten Schwankungen beigetragen hat“. Der Zweck der Kreislaufwirtschaft besteht laut dem Wissenschaftsnetzwerk het groene brein darin, „wirtschaftliches Wachstum vom Verbrauch von Rohmaterialien abzukoppeln“. Geschlossene Kreisläufe und eine verringerte Abhängigkeit von der Primärrohstoffgewinnung würden Unternehmen und Märkten mehr Stabilität geben.
Darüber hinaus bestehen Unterschiede zwischen dem Abfallmanagement und Recycling in einer Kreislaufwirtschaft und in einer linearen Wirtschaft. Abfall soll in ein neues Licht gerückt und als wertvolle Ressource wahrgenommen werden – für Unternehmen heißt das, Abfall nicht mehr als Kostenstelle zu betrachten und ihn stattdessen zum Gewinnbringer zu machen. Auf diese Weise können Unternehmen im Rahmen der Kreislaufwirtschaft:
- Die Materialversorgung sichern
- Neue Produkte aus wiedergewonnenen Materialien entwickeln
- Wege finden, um unbrauchbares Material nutzbar zu machen, anstatt es zu entsorgen
- Durch innovative Ansätze das Produktdesign an die Materialverfügbarkeit anpassen
- Wert aus Ressourcen schöpfen, indem sie dorthin verkauft werden, wo sie benötigt werden
- Geld sparen
Mit der richtigen, achtsamen Vorgehensweise kann Abfall also als Vermögenswert angesehen werden und nicht mehr als Last, um die man sich kümmern muss. George Barrett, Bereichsleiter Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bei John Lewis & Partners fasst es im Webinar The Circular Economy & Retail: From Theory to Practice so zusammen: „Abfall ist eine Ressource, die in die falschen Hände geraten ist.“
Eine vielversprechende finanzielle Zukunft
Zusätzlich zur Erleichterung oder Beseitigung von dringenden Herausforderungen bringt die Kreislaufwirtschaft auch verschiedene wirtschaftliche Vorteile mit sich. So erwartet die Europäische Umweltagentur „potenziell mögliche Kosteneinsparungen, eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und Nettovorteile in Bezug auf die Chancen auf dem Arbeitsmarkt”.
Die Studie Growth Within von 2015 modellierte ein Kreislaufszenario für Europa bis 2030. Die Ergebnisse sind kein gemessener wirtschaftlicher Erfolg und keine Zusage für ein einzelnes Unternehmen. Prüfen Sie für Ihren Business Case stattdessen:
- Vermiedene Materialkäufe und realistische Rückgewinnungserlöse
- Kosten für Sammlung, Transport, Sortierung und Aufbereitung
- Qualitätsverluste, Ausschuss und gebundenes Kapital
- Investitionen, Schulung und die Zeit bis zu einer tragfähigen Auslastung
Rechnen Sie mit mehreren Annahmen für Rücklauf, Ausbeute und Verkaufspreis. Gleichen Sie diese nach einem Pilotprojekt mit realen Ergebnissen ab. Ein Vorhaben, das nur bei perfekten Rückläufen funktioniert, braucht weitere Prüfung.
Erfreuliche Nachrichten für Erwerbstätige
Reparatur, Wiederaufbereitung und Recycling können andere Tätigkeiten und Qualifikationen erfordern als das bisherige Geschäftsmodell. Planen Sie Personal, Schulung und Arbeitsschutz gemeinsam mit der technischen Umsetzung. Beschäftigungseffekte hängen von der konkreten Entwicklung der Märkte ab und sind keine zugesicherten Ergebnisse eines einzelnen Projekts.
Die Kreislaufwirtschaft wird nicht nur die Nachfrage nach neuen, grünen Arbeitsplätzen steigern, sondern auch die Entwicklung besser anerkannter, bereits bestehender Karrieren und deren Funktionsweise. Circle Economy schlägt dazu drei Tätigkeitskategorien für die Kreislaufwirtschaft vor:
- Kerntätigkeiten: Aufgaben, die Rohstoffkreise schließen, darunter Reparaturen, Tätigkeiten im Bereich der erneuerbaren Energien sowie im Abfall- und Ressourcenmanagement (z. B. Anwendungstechniker:in, Recyclingmitarbeiter:in)
- Unterstützende Tätigkeiten: Aufgaben, die Hindernisse ausräumen und die Erweiterung und Skalierung von Kerntätigkeiten ermöglichen, wie etwa solche, die mit Leasing, Ausbildung, Design und digitaler Technologie zusammenhängen (z. B. Gerätetechniker:in, Lehrkraft oder Nachfrageplaner:in für die Kreislaufwirtschaft)
- Indirekte Tätigkeiten: Aufgaben, die eine indirekte Rolle für die Kreislaufwirtschaft spielen (z. B. Bankbeschäftigte:r, Kurierfahrer:in)
Die unterstützenden Tätigkeiten tragen dazu bei, dass die Kerntätigkeiten sich entwickeln und wachsen, während die indirekten Tätigkeiten durch Einbindung von Kreislaufprinzipien in ihre Betriebsabläufe die Dienste von Kerntätigkeiten nutzen (z. B. eine Postfiliale, die zur Auslieferung von Post gebrauchte Fahrräder nutzt).
Jede Kategorie dient ihrem eigenen Zweck und hilft den anderen Kategorien. Miteinander arbeiten sie am gemeinsamen Ziel der Kreislaufwirtschaft und damit verbundenen Innovationen und Arbeitsplatzmöglichkeiten.
Unterm Strich: Es lohnt sich
Der Sinn einer Kreislaufwirtschaft ist, allen beteiligten Menschen und in ihr enthaltenen Komponenten zugutezukommen. Dazu sind diese Kriterien entscheidend:
- Die Sicherheit bezüglich der Verfügbarkeit und Erhaltung von Materialien gewährleisten
- Die Neubewertung und Bewertung von vormals als Abfall angesehenen Materialien ermöglichen
- Wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand in großem Maßstab fördern
- Eine Umgebung für die Arbeitsplatzschaffung und -entwicklung bereitstellen
Bei der Kreislaufwirtschaft geht es letztlich darum, das Kreislaufprinzip mit der Wirtschaft in Einklang zu bringen, sodass beide miteinander und nicht gegeneinander arbeiten, wie es in der linearen Wirtschaft der Fall ist. Eine umgesetzte Kreislaufwirtschaft lohnt sich für unseren Planeten und kann ebenso wirtschaftlich profitabel sein.


