Rücknahme & EPR

Circular Economy: fünf Mythen im Faktencheck

Was Kreislaufwirtschaft leisten kann und wo Grenzen liegen: fünf verbreitete Irrtümer zu Recycling, Wirtschaftlichkeit und gesetzlichen Anforderungen.

Geöffnete Industriepumpe mit aufgearbeitetem Laufrad und Ersatzdichtung

Kreislaufwirtschaft beginnt bei der Frage, wie Produkte und Materialien länger nutzbar bleiben. Sie ist weder ein Versprechen auf endloses Recycling noch eine Garantie für höhere Gewinne. Diese fünf verbreiteten Irrtümer helfen Ihnen, Potenziale und Grenzen eines Vorhabens realistisch zu beurteilen.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was die Circular Economy ist und wie sie Ihrem Unternehmen helfen kann
  • Wie sich die Circular Economy von dem deutschen Begriff der Kreislaufwirtschaft unterscheidet
  • Fünf gängige Mythen über die Circular Economy, die Ihren Fortschritt behindern können, und warum diese nicht stimmen.  
  • Warum Produkt- und Dienstleistungssektoren für die Gesellschaft entscheidend sind, um eine Circular Economy zu erreichen.

Was ist die Circular Economy?

Die Circular Economy entkoppelt die ungebremste Nutzung natürlicher Ressourcen und die damit verbundene Umweltzerstörung vom Wirtschaftswachstum, indem sie die Ressourceneffizienz steigert.

Es gibt verschiedene Definitionen der Circular Economy, aber alle stimmen mit diesem Konzept überein. Die Circular Economy wendet sich vom linearen Wirtschaftsmodell  "nehmen - produzieren - verbrauchen - wegwerfen" (take - make - waste) ab. Dieses neue Wirtschaftsmodell wertet Materialien auf und zielt darauf ab, ihren Nutzen zu verlängern, indem der Kreislauf durch Wiederverwendung, Recycling, Reparatur, Aufarbeitung, Leasing und Sharing-Strategien so weit wie möglich geschlossen wird. Die Planung und das Design von Produkten, die Materialien aus gebrauchten Produkten enthalten, die im Rahmen von Kreislaufmodellen nicht als Abfall betrachtet werden, tragen zur Kreislaufwirtschaft bei.

Die Einführung einer Kreislaufwirtschaft ist aus unternehmerischer Sicht wichtig, da sie viele Herausforderungen löst, mit denen die Industrie derzeit  konfrontiert ist. Die Circular Economy kann:

  • Produktionsverzögerungen vermeiden, die durch unzuverlässige internationale Lieferketten verursacht werden. Gründe hierfür sind die unsichere Weltpolitik und unsichere Treibstoffpreise.
  • Durch Materialkreisläufe das Wirtschaftswachstum im Kontext endlicher natürlicher Ressourcen aufrechterhalten.  
  • Innovation fördern, um Hindernisse in Wissenschaft, Technologie und Technik zu überwinden und neue Arbeitsplätze zu schaffen.
  • Die Kosten der Abfallbewirtschaftung durch die Nutzung von Altprodukten als Ressourcen senken, anstatt diese auf Deponien zu lagern.

Fünf Irrtümer über die Circular Economy

Alexa Böckel, Mitautorin des Buches "Mythen der Circular Economy", erklärt: 

„Mythen sind Geschichten, die wir uns selbst erzählen, um den aktuellen Status Quo zu rechtfertigen. Sie halten uns davon ab, einen substanziellen Wandel hin zu einer Circular Economy zu vollziehen. Das Zerstören dieser Mythen öffnet unser Denken und unsere Möglichkeiten, so dass wir über zirkuläre Alternativen nachdenken können. Wir müssen anfangen, über das nachzudenken, was möglich ist, anstatt uns an das zu klammern, was unmöglich ist.‟

Die Industrie ist in der Lage, die Circular Economy umzusetzen. Werfen Sie daher einen Blick auf diese fünf gängigen Mythen und Irrtümer über die Circular Economy, die Sie von diesem Geschäftsmodell abhalten könnten.

Irrtum Nr. 1: Die Circular Economy ist ein neuer Trend

Das Konzept der Circular Economy ist nicht neu. Einige Wissenschaftler argumentieren, dass die Circular Economy und das Systemdenken in Ökonomie und Ökologie bereits Jahrzehnte alt sind, ebenso wie einzelne Elemente der Circular Economy:

  • Das Cradle-to-Cradle (C2C)-Konzept, das erstmals in den 1990er Jahren von Michael Braungart und William McDonough vorgeschlagen wurde, ist ein Designprozess zur Abfallvermeidung durch die Entwicklung von Produkten aus sicheren Materialien, die zur Herstellung neuer Produkte wiederverwendet werden können;
  • Ebenso die 1989 von Frosch und Gallopoulos vorgeschlagene Industrial Ecology, bei der jeder Output von den Marktakteuren als neuer Input genutzt wird, um eine Balance zwischen industrieller Produktion und ökologischer Nachhaltigkeit zu erreichen.

Auch andere umfassendere Konzepte sind weder neu noch ausschließlich für Modelle der Circular Economy relevant. Saubere Produktion (cleaner production) zielt beispielsweise auf die Vermeidung von Abfällen im Rahmen des Umweltmanagements ab, während Ökoeffizienz die Verringerung des Ressourcenverbrauchs bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen sowie die Reduzierung von Abfällen und Umweltverschmutzung anstrebt. Darüber hinaus ist das Closed-Loop-Supply Chain Management auf den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen ausgerichtet und erfordert die Zusammenarbeit zwischen den Partnern in der Lieferkette.

Kreislaufwirtschaft: Die deutsche Circular Economy?

Das deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz umfasst mehr als Abfallbeseitigung. § 1 KrWG nennt Ressourcenschonung und den Schutz von Mensch und Umwelt; § 6 KrWG legt die Abfallhierarchie fest. Zirkuläre Geschäftsmodelle beziehen zusätzlich etwa Produktgestaltung, Reparatur und Nutzungsmodelle ein.

Irrtum Nr. 2: Zirkuläre Geschäftsmodelle sind immer nachhaltig

Nicht jeder Materialkreislauf lässt sich vollständig schließen. Qualitätsverluste, Vermischung, Schadstoffe und Energiebedarf können die Rückgewinnung begrenzen. Prüfen Sie deshalb mehrere Optionen: weniger Material einsetzen, Produkte länger nutzen, reparieren und erst anschließend geeignete Recyclingwege wählen. Umweltwirkungen müssen über den betrachteten Lebenszyklus bewertet werden.

Irrtum Nr. 3: Die Circular Economy schadet Herstellern

Ob sich ein zirkuläres Angebot wirtschaftlich trägt, hängt vom Geschäftsmodell ab. Rechnen Sie Rücknahme, Prüfung, Reparatur, Logistik und Ausschuss gegen Erlöse, vermiedene Beschaffung und Kundenbedarf. Längere Produktnutzung kann neue Serviceangebote ermöglichen; eine höhere Kapitalrendite ist damit aber nicht automatisch verbunden.

Irrtum Nr. 4: Circular Economy ist nur ein schicker Name für Recycling

Recycling ist ein wichtiges Element der Circular Economy. Diese ist jedoch mehr als nur Recycling – sie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der auch andere grundlegende Bestandteile umfasst. Die Gestaltung von Produkten im Hinblick auf Langlebigkeit und Reparatur, die Auswahl und Verwendung von Materialien, die Herstellung, der Vertrieb und die Rücknahme von Produkten am Ende ihrer Lebensdauer sind wichtige Bestandteile einer Circular Economy. Zur Circular Economy gehören manchmal auch neue Formen des Produktbesitzes wie Leasing, Sharing, Servicepakete und Inzahlungnahme.

So erleichtern zirkuläre Produktdesigns, die eine einfache Demontage ermöglichen, die Reparatur oder den Austausch nur bestimmter beschädigter Komponenten und ermöglichen eine effiziente Materialtrennung für das Recycling.

In den Modellen der Circular Economy wird das Recycling bereits in der Planungsphase berücksichtigt, um die Versorgung mit Materialien zu sichern und den Verbrauch von neuen Ressourcen zu verringern. Das Recycling in einer linearen Wirtschaft ist nur ein Entsorgungsweg von vielen Möglichkeiten der Abfallwirtschaft.

In der Circular Economy wird das Recycling mit dem Maß der Zirkularität bewertet. Dieses bezieht die recycelte Abfallmenge auf den Herstellungsprozess selbst, nämlich die dabei eingesetzten Materialien. Die herkömmliche Recycling- oder Verwertungsquote, die zur Bewertung des Entsorgungsmanagements herangezogen wird, kann jedoch nicht die komplexen und umfassenden Konzepte der Circular Economy abdecken.

Gary Lewis, Geschäftsführer von Resourcify, erklärt, warum die Circular Economy oft mit Recycling gleichgesetzt wird:

„Recycling ist die Grundlage, aber die Circular Economy ist die Blaupause. Bei Resourcify geht es nicht nur um das Recycling von Abfallströmen; wir sind Architekten eines nachhaltigen Ökosystems. Recycling spielt eine entscheidende Rolle, aber unser Fokus geht darüber hinaus. Wir versetzen Unternehmen in die Lage, durch innovative Rücknahmesysteme in die Circular Economy einzusteigen und wertvolle Ressourcen im Kreislauf zu halten. Die Assoziation mit Recycling kommt von seiner sichtbaren Wirkung, aber das Wesentliche ist die Schaffung eines ganzheitlichen Systems, in dem Abfall zu einer Chance und Nachhaltigkeit zur Norm wird, damit Unternehmen verantwortungsvoll gedeihen können.‟

Irrtum Nr. 5: Die Circular Economy funktioniert nur, wenn sich das Verhalten der Verbraucher:innen ändert

Die Gewohnheiten der Verbraucher:innen und die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten können die Industrie und die Regierungen dazu veranlassen, Modelle der Circular Economy einzuführen. Die Verantwortung für die tatsächliche Umsetzung der Circular Economy liegt jedoch bei den Unternehmen und Regierungen.

Der Circular Economy Action Plan ist ein politischer Aktionsplan, keine unmittelbar geltende Verordnung. Einzelne Rechtsakte müssen getrennt betrachtet werden. Der Green-Claims-Richtlinienvorschlag wird von der Kommission weiterhin als anhängig geführt; er ist keine bereits geltende Pflicht zur Zertifizierung jeder Umweltaussage.

Für die Steuerung Ihres Unternehmens ist eine belastbare eigene Ausgangsbasis entscheidend: Materialeinsatz, Nutzungsdauer, Rücklauf und nachgewiesene Behandlung. Vergleichen Sie Fortschritte mit derselben Methode und benennen Sie Datenlücken. Eine globale Zirkularitätskennzahl ersetzt diese betriebliche Prüfung nicht.

Es wird Aufgabe der Industrie sein, kreislauffähige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Beispielsweise sollten Produkte so entworfen werden, dass sie leicht demontiert werden können, damit die Verbraucher:innen beschädigte Teile reparieren und ersetzen können, anstatt ein ganz neues Produkt zu kaufen.

Beim Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur müssen Industrie und Regierung zusammenarbeiten. Staatliche Unterstützung ist erforderlich, um neue Unternehmen für weit verbreitete Reparatur-, Wartungs- und Recyclingdienste, Abfalltrennung und -sammlung, Sekundärmaterialverarbeitung, Großhandelseinkauf usw. zu gründen.

Die Umsetzung der Circular Economy

Die Integration der Prinzipien der Circular Economy in die Unternehmensstrategie bringt nicht nur finanzielle Vorteile mit sich, sondern erhöht auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Ressourcenknappheit und Marktschwankungen. Dabei ist klar, dass der Übergang von einer linearen Wirtschaft zu einer Circular Economy nicht vollständig geschlossen oder nur auf Recycling ausgerichtet sein muss.

Der Übergang zur Circular Economy steht im Einklang mit der ökologischen Vorreiterrolle. Die Irrtümer der Circular Economy sollten Unternehmen nicht davon abhalten, aktiv zu werden. Letztendlich ermöglicht die Integration von Kreislaufprinzipien der Industrie, positive Umweltveränderungen voranzutreiben und gleichzeitig ihre eigene langfristige Rentabilität und ihr Wachstum zu sichern.

Laden Sie unseren Leitfaden herunter und erfahren Sie mehr über praktische Anwendungen für Ihr Unternehmen, um die Circular Economy zu fördern.

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